Peter´s Tod

Sekunde 0

Peter fährt 90 km/h. Sein Auto wiegt 1.200 kg.

Bei diesem Tempo stecken im Auto 38.226 kg Translationsenergie  (nach vorne in Fahrtrichtung strebende Wucht).
Das entspricht der Wucht einer aus 2.000 Meter Höhe abgeworfenen 250 kg Bombe, die mit einer Kraft (Gewicht) von 100 bis 300 Megapond (1 Megapond = 1.000 kg) auf hartes Pflaster knallen würde. Peter tut von sich aus noch 2.230 kg
Energie hinzu, weil er 70 kg wiegt und auch 90 km/h fährt.

Soeben fährt er gegen einen Baum.

 

Sekunde 0,1 

Das Zehntel einer Sekunde ist vorbei. Stoßstange und Kühlergrill sind eingedrückt,
die Motorhaube beginnt sich zu kräuseln. Der Wagen hat etwa 5 km/h an Fahrt verloren. Peter fühlt sich deutlich nach vorne gedrängt. Neben seinem Gewicht,
das mit 70 kg im Polster sitzt, hat er nun auch ein Gewicht nach vorne von 170 kg. 

Er macht die Beine steif, um dieser Neuigkeit im wörtlichen Sinn entgegen-zutreten. Und er drückt gegen das Lenkrad, damit es ihn nicht aus dem Sitz hebt. Mit den Beinen stemmt er rund 156 kg ab, mit den Armen stemmt er auch so
30 bis 35 kg. Er hätte nie geglaubt, dass er so stark ist, aber es gelang ihm, noch sitzenzubleiben. Da kommt der zweite harte Stoß. Noch ehe er sich besinnen kann, ist sie vorbei, die Sekunde 0,1.

 

Sekunde 0,2 

Die etwas härteren Teile des Fahrzeuges, Radaufhängung und Kühler, sind
soeben am Baum angekommen; die Verbindungen mit dem Wagen reißen ab,   denn der übrige Wagen fährt noch sehr schnell, insbesondere hinten mit dem
Kofferraum. Peter fühlt jetzt einen mächtigen Schlag auf den Beinen, denn der   Teil des Wagens, gegen den er sich mit den Füßen stemmt, wurde soeben auf   etwa 60 km/h abgebremst. Mit den Beinen stemmt er 350 bis 420 kg ab.
Wollte er jetzt noch sitzen bleiben, müsste er mit den Armen 220 kg am Lenkrad   abstemmen, aber das schafft er doch nicht. Seine Kniegelenke geben nach, sie
brechen einfach knirschend oder springen aus dem Gelenk. Und deutlich spürbare Gewalt zieht ihn mit seinem Gewicht von rund 140 kg auf einer Kreisbahn nach oben in die Ecke der Sonnenblende. Alles in allem verteilt Peter zurzeit insgesamt   413 kg Eigengewicht auf seine Gliedmaßen.

 

Sekunde 0,3 

Peter hat jetzt ein etwas leichteres Schicksal: Er ist mit Fliegen beschäftigt, er ist
noch unterwegs zu den Hindernissen. Seine gebrochenen Knie kleben am  Armaturenbrett, mit den Händen hält er fest das Lenkrad, das sich unter seinem
Griff elastisch biegt, und ihn um weitere 5 km/h abbremst.

 

Sekunde   0,4 

Peter ist noch immer unterwegs, sein Becken stößt gegen den Lenkradkranz.
Peter ist in diesem Moment nur etwa 100 kg schwer.
Die Lenksäule biegt sich unmerklich nach oben. Da kommt der furchtbare Moment, indem der schwerste und stabilste Teil des Wagens, der Motor, an den Baum
kracht.

 
Sekunde   0,5 

ist soeben vorbei. Motor und Peter stehen still. Nur der Kofferraum fährt noch mit
50 oder 60 km/h. Die Seitenwände des Wagens überholen sich selbst. 

Die Hinterräder bäumen sich hoch auf, zwei drei Meter hoch. Aber der Wagen   interessiert uns jetzt nicht: Was ist mit Peter in dieser Zeit passiert?  

Peter kam im Verlauf einer Zehntelsekunde zum Stillstand. Sein Gewicht wuchs auf 973 kg an. Mit dieser erbarmungslosen Gewalt wurde er auf die Lenksäule   geschleudert. Das Lenkrad, an dem er sich noch immer fest hielt, brach unter
dieser Stoßkraft zusammen wie ein morsches Brezel. Mit der Kraft von rund 870 bis 920 kg (je nach Stärke des Volants) dringt die Lenksäule als stumpfe Lanze in
seine Brust. Gleichzeitig rammt der Kopf mit einem betäubenden Schlag die   Windschutzscheibe. Hätte sich Peter nicht mit so übermenschlicher Kraft am
Lenkrad festgehalten, dann würde er vielleicht auch 1.300 kg schwer geworden sein, in diesem Moment. Und dabei wären ihm die festgeschnürten Schuhe von
den Füßen geflogen.
 
Noch eine oder zwei Zehntelsekunden, dann ist Peter tot. 

Nach sieben Zehntelsekunden steht der Wagen still. Das Unglück ist vorbei.


Sagen Sie einmal "einundzwanzig", das ist eine Sekunde.

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Mi., 18.10.2018, 23:04 Uhr:

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Letzte Aktualisierung:

 

28.10.2018

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© Andreas Buth